Musik ist Trumpf

Seit meiner fiesen Erkältung vor kurzem ist mein Körper unglaublich musikalisch. Allerdings hat er gleichzeitig ein paar Aufgaben, für die er eigentlich gedacht ist, vorübergehend komplett eingestellt. Hierzu gehören unter anderem das Riechen und Schmecken. Diese neu erworbene musikalische Fähigkeit schenkt mir zwar eine latente Appetitlosigkeit, was sich hoffentlich auch auf der Waage bemerkbar macht, raubt mir allerdings den erholsamen nächtlichen Schlaf. Die gute Nachricht: Ich schnarche nicht mehr! Die Schlechte: in meinem Schlafzimmer spielt jetzt ein ausgewachsenes Symphonieorchester mit einer fast vollständigen eigenen Bläsergruppe!

Beim Einatmen tönt es aus meinem Inneren wie ein Duett dieser kleinen Kinderflöten aus Plastik und Papier. Ich meine die, die sich beim Hineinblasen so lustig mit Luft füllen, sich lang machen und nach dem Blasen praktischerweise wieder sorgfältig selbst aufrollen.

Beim Ausatmen ähnelt der Sound meiner Respiration eher einem asthmatischen Dudelsack, der von rhythmischen Rasseln begleitet die letzten Töne kurz vor seinem Exitus ausspuckt. Gelegentlich übertönt das Stakkato gewehrsalvenähnlicher Hustenanfälle wie Paukenschläge die vermeintlich harmonische Melodie.

Ich habe beim fröhlichen Musizieren übrigens bereits ein deutliches Knacken im Klangkörper vernommen und hoffe inständig, dass dort nichts gebrochen ist.

Doch damit nicht genug: Mein maroder Körper verliert massenhaft Flüssigkeit. Zum Einen durch maßloses nächtliches Schwitzen, zum Anderen läuft mit an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit gerade mein komplettes Hirn durch beide Nasenlöcher aus. Anders kann ich mir diese gähnende Leere in meinem dumpfen Schädel jedenfalls nicht erklären.

Was „untenrum“ in meinem Astralkörper passiert, schildere ich besser nicht im Detail. Bevor ich mich allerdings gleich anderen Dingen widme, muss ich schnell noch mal los – ne Packung Tena Lady kaufen. Und nein, ich schäme mich nicht! Ich bin jetzt schließlich 55. Da gehört eine gewisse Blasenschwäche statistisch gesehen angeblich dazu (ca. 30 % der Frauen und 15 % der Männer über 50 sind von Inkontinenz betroffen)! Hätte ich noch eine Stimme, würdet ihr mich gerade hilflos heulen hören – nach ner Pflegekraft… nem sexy Zivi… nem knackigen Toyboy!

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