BDSM – Ne komische Sache

Ei in Hand

Als Frau im mittleren Alter kennt man ja schon so einiges, hat viel erlebt und gesehen. Ich kenne gute Liebhaber, ich kenne schlechte Liebhaber. Ich habe mich mit Praktiken und Fetischen beschäftigt, die jenseits von gut und böse sind. Das war aber nicht immer so.

Meine erste Begegnung mit BDSM zum Beispiel war etwas – nun wie soll ich sagen – schräg! Vier Buchstaben, dessen Bedeutung kaum ein Mensch mit durchschnittlichem Sexualleben erklären, geschweige denn überhaupt verstehen kann. »Bäh, das ist ja Sex mit Schlagen und Schmerzen«, heißt es oft. Oder: »Igitt, die sind doch alle pervers und krank! Damit will ich nichts zu tun haben!«

Ging mir vor ein paar Jahren ganz ähnlich. Ich konnte mir partout nicht vorstellen, was daran anregend sein könnte.

Als mein damaliger Freund mir gestand, dass er total auf BDSM steht, war ich ziemlich verwirrt. Der prügelnde Perverse passte irgendwie so gar nicht zu ihm. Mir war mulmig bei dem Gedanken. Als er dann auch noch erklärte, dass er es ganz geil finden würde, wenn er beim Sex die Ansagen macht und ich als sein Weib gehorchen müsse, brach ich in schallendes Gelächter aus. Nee, ist klar, meinte ich, als er vorschlug, doch mal so eine Art Rollenspiel auszuprobieren. Ich zeigte ihm einen Vogel. Mein Freund schmollte. Das Thema kam dann eine Zeit nicht wieder zur Sprache, aber er überhäufte mich mit lustigen Geschenken. Sexspielzeug, bei dem er die Kontrolle hatte.

Da gab es Handschellen, Augenbinden, Halsbänder, Federn oder Wäscheklammern. Und sogar für eine meiner ausrangierten Springgerten fand er eine neue Verwendung. Er war da wirklich sehr einfallsreich. Partiell empfand ich die eingesetzten Utensilien ja auch ganz anregend, das gebe ich zu. Aber es gab auch Grenzen.

Gegen das Gummigebiss aus der Trense meines jungen Dressurpferdes weigerte ich mich. Das Teil, auf dem schon mein Gaul herumgekaut hatte, bis er Schaum vor dem Maul hatte, wollte ich nun wirklich nicht im eigenen Mundwerk tragen. Mit dem Gedanken, dass ich sabbernd kurz vor dem Orgasmus zu wiehern beginne, mein Freund die Zügel hält und halbe Paraden gibt, während er mich von hinten nimmt, konnte ich mich einfach nicht anfreunden.

Sein Lieblingsspielzeug war jedoch ohnehin ein anderes. Was für kleine Jungs die elektrische Eisenbahn, war für ihn ein ferngesteuertes, vibrierendes Kunststoff Ei aus dem Internet. Für diejenigen, die so etwas nicht kennen, kurz zur Erklärung: Als Frau führt man sich dieses Ding wie ein Tampon ein, wo es dann verbleibt. Irgendwann merkt man das Teil dann auch nicht mehr. Eben ganz wie bei einem Tampon. Nur dass der eben nicht auf Kommando vibriert.

Dieses vibrierende Ei sollte ich nun also fast ständig tragen. So war es sein Wunsch. Und was macht Frau nicht alles, um ihren Mann glücklich zu machen. Ich trug es! Und wenn ich es nach getaner Arbeit wieder aus mir heraus zog, fühlte ich mich wie eine Henne. Eine Henne, die gerade ein goldenes Ei gelegt hat. Und zwar weil mein Freund es mit solcher Ehrfurcht behandelte, als hielte er einen Schatz in seinen Händen. Mit glänzenden Augen reinigte er das Ei nach jeder Benutzung sorgfältig und legte es behutsam wieder in die Verpackung. Dort wartete es geduldig auf den nächsten Einsatz. Ich war dankbar, nicht einer ähnlichen Prozedur zum Opfer zu fallen!

Wenn ich es trug, drückte mein Freund zu jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit auf seine Fernbedienung. Er freute sich diebisch, wenn ich daraufhin vor Schreck zusammen zuckte und gutturale Laute von mir gab. Ich hingegen fühlte mich eher wie ne Frau mit Tourette. Und während ich damit zu tun hatte, der Kellnerin, die gerade versuchte, unsere Bestellung aufzunehmen, irgendeine hanebüchene Erklärung zu meinen Ticks aufzutischen, grinste er nur verschmitzt. Ich glaub, ihn machte die Situation total geil.

Mit Lust hatten meine Zuckungen allerdings recht wenig zu tun. Das sagte ich ihm aber nicht. Ich wollte ihm schließlich nicht die Freude an seinem kleinen Spielzeug verderben. Immerhin war er fest der Meinung, mich auf Knopfdruck ständig in absolute Extase zu bringen. Diese Illusion wollte ich ihm einfach nicht nehmen!

Der Einsatz seines Lieblingsspielzeugs fand übrigens ein jähes Ende. Und zwar nachdem ich seinen Wagen auf dem Heimweg von einer Party fast in den Straßengraben fuhr. Da hörte der Spaß bei ihm irgendwie auf. Angeblich hatte er kurz danach die Fernbedienung für das Ei verloren…

Eines abends forderte er aus heiterem Himmel und mit strengem Blick, ich solle vor ihm niederknien und ihn als »Mein Herr« ansprechen. Ich unterdrückte ein Prusten, verzog keine Miene und dachte, »schad ja nix«. Also kniete ich nieder.

Er bestand darauf, dass ich mein Haupt zu senken hätte. So gehöre sich das für eine artige Sklavin, erklärte er mir ernst. »Aha«, antwortet ich und starrte brav auf die Auslegeware und bloß nicht auf ihn. Ich wartete ab. Mein Blick fiel auf die Brötchenkrümel unter dem Esstisch und auf die Staubfusseln an der Heizung. Ich überlegte, was ich am nächsten Abend kochen sollte und dass die Kaffeemaschine dringend entkalkt werden müsse. Er genoss den Anblick seines vor ihm knienden Weibs und machte sich untenrum frei.

Ja, in dieser unbequemen Sitzposition ausharrend ließ er mich einige Zeit schmoren. Er genoss seine Macht, das törnte ihn wohl an. Mir war langweilig. Stumm auf den Teppich starrend ging mir, während ich so wartete, einiges durch den Kopf. Unter anderem Loriot in Dauerschleife. »Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann«, manifestierte sich in meinem Hirn. Zu allem Überfluss fiel mein Blick nun auch noch auf das gerahmte Bild von seiner Fußballmannschaft, das sich definitiv nicht im Lot befand. »Das Bild hängt schief«, dachte ich – spätestens hier begann die Sache also nun tatsächlich schräg zu werden. Ich begann, debil vor mich hinzugrinsen, indessen ich weiterhin artig auf den Boden starrte und mich nicht bewegte.

Mein Freund war irritiert. Seine Erektion ebenso. Da war nichts mehr zu machen. Selbst ein devot gehauchtes »Oh, mein Herr, wie kann ich Ihnen dienen?«, war für sein Gemächt nicht Motivation genug für weitere Heldentaten. Also stand ich auf und merkte an, dass ich jetzt noch dringend Saugen müsse und wir es dann ja zu einem späteren Zeitpunkt erneut mit dem Rollenspiel probieren könnten. Aber als ich fertig war hatte er keinen Bock mehr. Seine Lust war wie irgendwie wie weggeblasen.

Ein paar Tage danach wies er mich sanft aber sehr deutlich darauf hin, dass ich es doch künftig besser unterlassen solle, Loriot zu rezitieren, wenn wir uns in einer erotischen Situation befinden würden. Das hätte so unschöne Auswirkungen auf seine Libido und zudem recht wenig mit seinen Vorstellungen von Rollenspiel zu tun.

In den Jahren nach unserer Trennung kam das Thema BDSM immer mal wieder bei mir hoch. Ständig plagte mich die Frage: »Was lief eigentlich falsch bei uns?« Letztlich kam ich zu dem Entschluss, dass ich zu diesem Zeitpunkt wohl einfach noch nicht reif genug war für BDSM. Mir fehlte definitiv der notwendige Ernst. Aber ich arbeite dran!

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