Der Frosch, den ich nie küsste!

Froschkönig

Da war er plötzlich, der Frosch, der sich auf seinen Facebook- und Instagram-Profilen mit attraktiven Fotos und Videos an diversen Reiseorten präsentierte. Er schrieb mich über Facebook an und wollte gern mit mir im Zebra reisen.

Höflich war er, humorvoll, gebildet. Knackige 27 Jahre alt und verdammt attraktiv. Zumindest auf seinen Fotos. „Wenn wir zusammen reisen, können wir beide davon profitieren“, meinte er und schlug vor, bereits im April die erste Tour zu starten.

Normalerweise wäre er mit Zelt unterwegs, merkte er an. Aber es wäre ja viel schöner, in einem Wohnmobil wie dem Zebra zu reisen. An den Bodensee und nach Österreich würde er gerne – nee, ist klar. Der Herr setzte sich die Krone auf!

Er wollte mir die goldene Kugel aus dem Brunnen holen – köderte mich mit Hilfsbereitschaft und Empathie. Den Zahn, in meinem Bettchen zu schlafen und von meinem Tellerchen zu essen, zog ich ihm dennoch. Und zwar direkt im ersten Telefonat. Er zeigte sich verständnisvoll und meinte, er könne sich ja mit seinen 1,90 m Körpergröße auch auf dem 1,70 langen Notbett im Fahrerhaus des Zebras zusammenrollen. Sein Zelt sei ja schließlich auch keine 1,90 m. Kommende Woche könne er zu einem ersten Kennenlernen ja mal in den Norden kommen.

Mir kam das alles spanisch vor. Sein Vorname jedoch war türkisch und bedeutete „Kumpel / Freund“. Ich gebe zu, das gefiel mir. Und dennoch grummelte das Bauchgefühl. Ein wildfremder Mann, Tag und Nacht in meinem Zebra? Nee, das geht einfach nicht, das ist zu eng, zu intim.

„Lern ihn doch erst einmal kennen“, meinte meine Freundin Susanne, „sonst ärgerst du dich nachher, wenn du ihm direkt absagst.“ „Da stimmt was nicht“, unkte ein Freund. „Welcher geistig normale 27 jährige hat Bock auf ne 54 jährige schwerbehinderte Frau?“ Bämm, das saß!

Bock hatte ich nun auch irgendwie nicht mehr. Zumal nach dem ersten und einzigen Telefonat noch genau zwei Nachrichten per WhatsApp von ihm kamen. In der Ersten beteuerte er, wie sympathisch ich ihm doch sei, in der Zweiten jammerte er einen Tag später, es sei nicht sein Tag. Und das war’s… seitdem herrscht Stille. wahrscheinlich ist er tot umgefallen… oder auch nicht.

Meine Nachricht, dass ich von einer gemeinsamen Reise mit ihm in meinem Zebra lieber Abstand nehmen möchte, blieb bis heute ungelesen. Hokuspokus verschwindibus ist der schöne Frosch wieder in seinem Seerosenteich verschwunden.

Zum Glück bin ich weder verzweifelt auf der Suche nach einem Partner, noch nach einer Reisebegleitung. Ich komme sehr gut alleine klar. Dennoch würde ich solche Typen wie ihn am liebsten mehrfach gegen Wände werfen. Und das am besten in aller Öffentlichkeit – nämlich um zu zeigen, dass sich solche unerzogenen, unreifen und feigen Kröten niemals in Prinzen verwandeln.

Ihr wollt mehr Geschichten über das Zebra lesen? Schaut auf meinem Blog vorbei!