Gedanken

Erinnerungen

Ihr Lieben,

heute bin ich sehr nachdenklich und traurig. Gestern abend erreichte mich die Nachricht, dass ein Mitglied und Admin meiner Selbsthilfegruppe für die Krankheit „Pulmonale Hypertonie“ den Kampf verloren hat. Er ist verstorben.

Ich wollte ihn noch besuchen, wenn ich ab dem 22.3. wieder für ein paar Tage in der Uniklinik in Hannover bin. Nun ist er nicht mehr unter uns, und mir wird wieder sehr bewusst, wie endlich doch auch mein Leben aufgrund dieser unheilbaren Krankheit sein kann und wie sehr ich dies verdränge.

Ralf hat mich immer mal wieder gewarnt, die Krankheit ernster zu nehmen, kürzer zu treten und mehr auf mich acht zu geben. Nur zu gerne habe ich diese Ratschläge in den Wind geschlagen. Ich schaff das schon, hab ich gedacht. Also bin ich zum Beispiel trotzdem mit dem Zebra nach Sizilien gefahren – ohne Beatmungsgerät. Es ist glücklicherweise noch einmal gut gegangen. Zwar knapp, aber es ist gut gegangen.

Jetzt ist dieser liebe Mensch tot. Und mir gehen zig Gedanken durch den Kopf. Nach den Anstrengungen meines Umzugs zeigt mir mein Körper deutlich, wie wenig er doch noch zu leisten bereit ist. Mir stehen die Strapazen und meine Krankheiten optisch nicht sehr vorteilhaft ins Gesicht geschrieben. Dennoch versuche ich, jeden Tag mit positiven und fröhlichen Gedanken zu beginnen. Mein ausgeprägter Humor und eine positive Einstellung zum Leben hält mich über Wasser. Es geht mir sehr gut damit.

Gestern wurde mir jedoch leider von ein paar wenigen Menschen daraus ein Strick gedreht. Mir wurde vorgeworfen, dass mein gestriger Post über meinen eventuellen jungen und sehr schönen Mitreisenden sexistisch sei. Aber sein wir doch mal ehrlich: die Chance auf eine richtige Partnerschaft ist in meiner Situation so hoch, wie eine eierlegende Wollmilchsau zu finden.

Meine Sexualität liegt seit langem gesundheitsbedingt auf Eis. Welcher Mann verliebt sich schon in eine totkranke, optisch gezeichnete, übergewichtige Frau im Rollstuhl? Das Thema habe ich somit ad acta gelegt und bin damit jedoch fein. Warum darf ich dann aber nicht wenigstens noch über meine hüpfende Hormone scherzen und von weitem einen gutaussehenden jungen Mann anhimmeln, der Lust hat, mir mir zu reisen? Immerhin hüpft da noch was in diesem morschen Körper.

Bei allem Respekt! Die vielleicht wenige Lebenszeit, die mir noch bleibt, möchte ich so intensiv ich kann nutzen. Ich möchte sie mit netten Menschen verbringen, mit schönen Erlebnissen füllen, gute Gespräche führen, spannende Orte besuchen, inspirierende Reisen machen und leckeres Essen geniessen.

Negatives hat in meinem Leben keinen Platz mehr! Und das gilt auch für Kritik an meinem Humor oder meiner Art zu schreiben.

Ihr wollt mehr Geschichten über das Zebra lesen? Schaut auf meinem Blog vorbei!