Shit Happens

Die Krux mit dem Reizdarm auf dem Campingplatz

Es gibt Dinge, über die tauschen sich Camper gerne aus. Das sind zum Beispiel die besten Campingplätze, der Omnia Backofen, Vorzelt mit Luft oder Gestänge oder auch die neusten Heringe, mit denen man in Sand, Stein oder auch Metall erfolgreich eine Markise abspannen kann.

Das Band muss natürlich in sich verdreht sein, damit es nicht klappert, wenn der Wind zu stark ist. Und dann gibt es da auch das innovative System „Peggy Peg“, welches ich mir definitiv zulegen werde, sobald ich wieder in Deutschland bin.

Ich bekam bereits einige tolle Tipps, viel Hilfestellung und bin ein sehr dankbarer Empfänger, denn ich lerne, trotz jahrelanger Wohnwagenerfahrung, sehr gerne immer wieder von erfahreneren Campern. 

Dann gibt es allerdings auch die Dinge, über die kaum jemand spricht oder die gar nicht thematisiert werden, obwohl sie eigentlich zum täglichen Camperleben dazu gehören. Zum Beispiel das WC! 

Für mich ist ein WC im Zebra existenziell. Ich bin gehbehindert und es erleichtert das Reisen ungemein, wenn man mal eben rechts ran fahren kann, um sich selbst zu erleichtern. Nun ist das Zebra ja kein Wohnmobil von der Stange, sondern ein umgebauter RTW. Also kann ich dankbar sein, dass der Vorbesitzer die Wichtigkeit eines WCs genau so als Priorität gesehen hat, wie ich selber. Das Zebra HAT also ein Klo. Keines, bei dem man die Kassette von außen entnehmen kann, aber immerhin ein Porta Potti der Marke Thetford, welches sich ausziehbar hinter dem Fahrersitz in einem Schrank befindet.

Kurz bevor ich mit dem Zebra auf große Tour ging, machte dieses WC die Grätsche. Die Pumpe für die Spülung verweigerte ihren Dienst. Und da es ohnehin bereits ein älteres Modell und auch irgendwie nicht mehr ganz dicht war, wie sich unschwer an der Tröpfchen auf meinen Schuhen beim letzten Transport zur Entsorgungsstation erkennen ließ, musste ein neues her. 

Bei Berger in Bad Füssing habe ich also ein passendes, neues Porta Potti zu einem top Angebotspreis von 59,90 Euro käuflich erwerben können. Ich habe den Verkäufer dann noch charmant mit nem 10er bestochen, damit er mein altes Potti entsorgt und mir das neue gleich einbaut. Somit konnten das Zebra und ich mit einem neuen WC direkt weiter auf die große Reise nach Italien gehen. 

Erste Station Gardasee

So weit so gut. Wenn etwas neu ist, nimmt man sich ja meist so einiges vor. So auch ich! Ich wollte das WC künftig nur noch für die „kleinen Dinge“ benutzen. Das hat bis gestern auch wunderbar geklappt – also sagenhafte vier Tage. 

Nach meinem Abendessen meldete sich das, was sich so meldet, wenn man am Abend vorher und über Tag ausgiebig gespeist hat. Kurzum, ich musste dringend zum Klo und das möglichst schnell. Da es aber schon dunkel war, fuhr ich in meinem Rollstuhl nicht das mir zugewiesene Behinderten WC an, sondern das nächstgelegene. Ich schleppte mich mit zusammengekniffenen Pobacken und mittelschwer verkniffenem Gesichtsausdruck die Treppen in Tippelschritten zum Sanitärhaus hoch, landete erst versehentlich im Herrenklo, manövrierte mich mit letzter Kraft ins Damen WC und….. 

… machte große Augen und dicke Backen! Es gab in keiner einzigen WC Kabine auch nur einen einzigen Fitzel Klopapier! Die Italiener haben’s drauf, ne gestandene Frau wie mich, in Panik zu versetzen, dachte ich mir, während mir der Angstschweiß von der Stirn in die Augenbrauen lief. Mit gepresster Stimme fragte ich draußen jemanden, ob es hier irgendwo Papier gäbe. Nein, das müsse man mitbringen, hieß es mit mitleidigem Blick. Ich dankte schmallippig, eilte so gut es ging die Treppen hinunter, warf mich in meinen Rollstuhl, gab Vollgas und rollte in Affentempo, teils quer am Berg stehend, weil die Lenkung bei dem starken Gefälle immer wieder ausfiel, bis vor mein Zebra. Seitentür auf, Seitentür zu, Vorhang zu, Klodeckel hoch…

In letzter Sekunde griff ich noch ne Mülltüte und ne Rolle Klopapier aus dem Schrank unter der Spüle und habe fast alle meine guten Vorsätze mit den großen Geschäften auf dem neuen WC wieder ad acta gelegt. Denn Klopapier gehört nun wirklich nicht IN ein Porta Potti, sondern wird separat in Tüten entsorgt. Wer nämlich einmal beim Entleeren einer vollen Kassette trotz Chemie im Klo einen Klops „schnellauflösendes Campingpapier“ aus dem Rohr stochern musste, wird nie wieder auch nur einen Hauch von Papier ins mobile WC werfen. 

Und während ich hier so schreibe, stehe ich vor dem nächsten Problem. Mein WC ist voll, meine Blase dank der täglichen Entwässerungstabletten ebenso. Und es hat gerade begonnen, in Strömen zu regnen.