Campen mit Abstand – Die Demo in Mainz / Wiesbaden

Die Initiative fordert: Öffnet die Camping- und Stellplätze!

Das Zebra unterwegs zur Demo auf der A2

Endlich ist es soweit – es ist Donnerstagmorgen, und heute geht’s wieder los. Mit dem Zebra vom heimischen Visselhövede nach Mainz, bzw. Wiesbaden zu einer weiteren Demo der Initiative „Campen_mit_Abstand“, die am Samstag, den 8.5.21 stattfinden wird.

Das Zebra ist fit, die meisten Dinge bereits gepackt. Ich warte frisch geduscht auf meine Nachbarin, die mir hilft, die letzten Dinge wie Lebensmittel, noch ein paar Klamotten, das mobile Internet, Trinkwasser etc. in Zebra zu laden. 

Auf Hilfe bin ich aufgrund meines Handicaps leider immer angewiesen. Zuhause kein Problem, unter Campern auch nicht, die sind alle hilfsbereit – ich bin also guter Dinge. Gegen 12 Uhr ist alles verstaut und ich reite mit dem Zebra gut gelaunt vom Hof. 

Erste Etappe: Schwerte

Die Autobahn ist frei, die erste Etappe, Gut Ruhrfeld in Schwerte liegt in 284 km Entfernung. Dort besuche ich alte Freunde und werde eine Nacht bleiben. 12 Jahre ist es her, dass ich dort wohnte und mein Pferd dort stehen hatte. Ein wenig aufgeregt bin ich schon. 

Nach einem herzlichen Wiedersehen und einem richtig tollen Abend – Freundschaften bleiben bestehen, egal wie lange man sich nicht sieht – geht’s dann am nächsten Morgen weiter nach Mainz auf den Campingplatz. Diesmal sind es nur 216 Kilometer bis zum Ziel. 

Campingplatz Maaraue – direkt am Rhein

Gegen halb elf kommt das Zebra mit der Nase vor dem Tor vom Campingplatz Maaraue zum Stehen. Wir werden herzlich begrüßt. Es gibt einen Aufkleber, einen Anmeldebogen und die Info, dass jeder Teilnehmer bitte 20 Euro pro Nacht spenden möge. Anja, die Betreiberin des Platzes, hätte uns eigentlich alle kostenlos übernachten lassen wollen, weil sie unsere Demo unterstützen möchte. Die Idee mit der Spende finde ich aber super, immerhin haben die Plätze alle schon ne lange Durststrecke hinter sich. 

Ich bekomme einen top Platz nahe der Einfahrt zugewiesen und es stöpselt auch sofort jemand das Zebra in den Stromkasten ein. Danke noch mal, denn diese Hilfe ist für mich Gold wert! Ich lade den E-Rollstuhl aus und tuckere zur Anmeldung. 

Campingplatz Maaraue - für die Demo mit Sondergenehmigung geöffnet

Hier zahle ich erst einmal meine Übernachtungen. Für den Abend kann man Essen bestellen. Ich entscheide mich dagegen, ich hab alles an Bord. Außerdem muss ich sparen, immerhin habe ich mir gerade erst noch einen Hoodie mit Campen_mit_Abstand Logo gegönnt. Mein Pech: einen Tag nach meiner Bestellung kam das neue Logo heraus. Nun ja, es ist wie es ist.

Zwei Brötchen für den nächsten Morgen sind gerade noch drin, also lasse ich mich mit auf die Liste schreiben und hoppele mit dem Elektrorollstuhl über den Rasen zurück zum Zebra. Besonders geländegängig ist das Teil leider nicht. Aber den E-Scooter musste ich leider Zuhause lassen. 

Nachdem ich mit dem Zebra vor kurzem auf der Waage war, hat sich nämlich herausgestellt, dass der E-Scooter mit seinen 126 kg leider zu schwer für das Zebra und den Heck-Gepäckträger ist – wir wären dadurch schwerer als 3,5t, bzw. könnten nichts mehr zuladen. Schade eigentlich, denn damit bin ich auf Campingplätzen und Umgebung wesentlich mobiler. Aber vielleicht finde ich ja irgendwann einmal einen kleinen preisgünstigen Anhänger mit Rampen. 


Das Zebra zieht Besucher an

Am Zebra angekommen, geht’s direkt rund. Andreas vom Orgateam kommt auf ein paar nette Worte rum. Ping, die ersten Nachrichten trudeln ein. Michaela und Rolf, meine Platznachbarn aus Berlin sind noch unterwegs. Daniel und Angela, die ich sehr gern persönlich treffen möchte, ebenfalls. Die Hobbyfamilie ist auch noch nicht da. 

Über den FB Messenger wird gefragt, ob das Zebra Besuch empfangen möchte. Klar will es! Ich biete nen Kaffee an. Daniela und Daniel, also Dani und Dani, kommen vorbei. Sie wollten so gern mal das Zebra kennenlernen. Bei Facebook wird gepostet, dass jemand im Bett seines / ihres Wohnwagen läge und das Zebra sehen könne.  Witzig irgendwie – man kennt sich nicht und kennt sich doch. Ich freue mich über die neuen Kontakte. 

Eine super nette Lady vom Wohnwagen gegenüber kommt und drückt mir ein schwarz-weißes rundes Knäuel aus Stoff in die Hand. Das würde sie mir gerne schenken, weil es so gut zum Zebra passen würde. Es ist eine faltbare Einkaufstasche mit Zebramuster. Ich freue mich riesig und bin sprachlos! 

Und dann kommt sie! Silvia – die sympathische Frau, die so viel Herz hat, dass ich sie eigentlich die ganze Zeit nur in den Arm nehmen, abknutschen oder besser noch, mich von ihr adoptieren lassen möchte.  Silvia hat auf der Demo in Berlin vom Zebra und von mir gehört und wollte uns gerne mal kennenlernen. Und nun steht sie da, an der Seitentür vom Zebra. Wir plaudern eine Weile, als würden wir uns schon ewig kennen und ich habe mich direkt verliebt – platonisch natürlich! Als sie sich vorerst verabschiedet, sind wir am anderen Ende des Platzes für abends zum gemütlichen Beisammensitzen verabredet – mit Abstand natürlich!

Überraschung! Ein Hoodie mit dem neuen Logo wartet Zuhause

Demo Hoodie mit neuem Logo

Auf dem Weg zu meiner Einladung stellt mich Babsie. Sie erzählt mir, dass, wenn ich nach Hause komme, ein Paket auf mich warten würde. Ich frage mich kurz, woher sie meinen Postverkehr kennen könnte, aber sie erklärt mir sofort, dass jemand aus unserer Gruppe mitbekommen hätte, dass ich einen Hoodie mit dem alten Logo bekommen hätte und mir nun keinen zweiten mehr leisten kann. Das hätte ihm so leid getan, dass er mir spontan einen mit neuem Logo gesponsert hat. Ich bin sprachlos und mir kommen fast die Tränen vor Rührung. So sind Camper! 

Der Abend ist gemütlich. Mit Klötenköhm, Gockelsperma und anderem Gesöff. Ich trinke ja eigentlich keinen Alkohol. Wir lachen viel – und diese Leichtigkeit, endlich wieder auf einem Campingplatz zusammen sein zu können (wenn auch mit Abstand) tut uns allen sichtlich gut. Allen anderen auf dem Platz geht es genau so. Das sieht und hört man. Genau das hat einfach in den letzten Monaten so sehr gefehlt.

Irgendwann kommt die Müdigkeit. Es ist zwar noch hell draußen, aber es zieht mich zurück zum Zebra. Auf dem Weg dorthin treffe ich YouTuber Rene von der Hobbyfamilie. Die Kamera hat er noch in der Hand und sagt mir, er wäre schon drei Mal am Zebra gewesen, ich wäre jedoch nie da gewesen. Verdammt, jetzt habe ich die Chance vertan, dass das Zebra endlich berühmt wird. So haben wir es nun doch nicht in eines seiner klasse Videos geschafft. 

Die Demo Drinks: Gockelsperma und Klötenköm

Zweideutige Gespräche – aber mit Abstand! 

Es gesellen sich noch andere Teilnehmer der Demo zu uns. Wir plaudern, lachen, tauschen uns aus und freuen uns auf den morgigen Tag – alles mit Abstand natürlich. Die Gespräche werden etwas zweideutiger. „Du, ich hab mal meinen Stecker in deine Dose gesteckt… Ach echt? Hab ich gar nix von gemerkt. Wo denn? Vorne oder hinten? …Hinten!“ – grölendes Gelächter. Die Kinder spielen um uns herum, glückliches Kreischen hier, lustiges Gejauchze dort. Ein Paar führt noch seine Hunde Gassi. Alle sind entspannt. Ich bin voll integriert, obwohl ich Single und die einzige bin, die sitzen „darf“ – in meinem Rollstuhl. Alle anderen stehen einfach so rum – mit Abstand natürlich! 

Das Zebra für die Demo ausgehfein gemacht

Rene von der Hobbyfamilie verschwindet irgendwann plötzlich, seine Frau Sabrina auch. Sie bringt wohl die Kleinsten zu Bett. Ihr 11-jähriger Sohn Jannik bleibt und zeigt ehrliches Interesse. Er fragt auf direktem Weg, warum ich im Rollstuhl sitze und was denn genau meine Krankheiten seien. Kinder haben da einfach keine Berührungsängste. Finde ich toll! Als er über leichte Rückenschmerzen klagt, darf er mal probesitzen. Ich bin froh, mich kurz ausstrecken zu können. 

Wir plaudern wie zwei Große über dies und das und stellen fest, dass wir zwei im gleichen Stadtteil von Hamburg geboren sind. Ich bin total verliebt in den Kleinen – platonisch natürlich! Aber ich würde ihn sofort adoptieren. Ich hab es ja eigentlich nicht so mit Kindern, aber er ist so ein pfiffiges, sympathisches und natürliches Kerlchen, das auch noch bildhübsch dazu ist. Selten diese Kombi. 

Sowieso sind die Kids hier alle irgendwie cool und voll in ihrem Element. Auf Campingplätzen macht mir auch das oft schrille Gekreische von Kindern nichts aus. Das gehört einfach dazu! Es erinnert mich immer an meine eigene Kindheit. Wenn wir campen waren, waren wir happy! Es gab kein mein und dein, der komplette Platz war unser Spielplatz. Hatten wir Durst, dann gab es von der einen oder anderen Mutter halt etwas zu trinken. Hatten wir Hunger, schmierte irgendwer ne Stulle oder es gab ne Wurst auf die Hand. Das sind Camper! 

Irgendwann ziehe ich mich ins Zebra zurück, schaue noch etwas fern und schlafe glücklich ein.

Zum Frühstück: Kaffee und frische Brötchen

Am Morgen bin ich wie immer viel zu früh wach. Ich koche mir in Ruhe meinen Kaffee und blicke zufrieden über den Platz. Noch herrscht absolute Stille – nur ein paar Hundebesitzer treten ihren Morgenspaziergang an.

Als ich den Ersten mit einer Brötchentüte in der Hand sehe, fahre ich im Rolli nach vorne zum Kiosk und will meine Brötchen holen. Allerdings findet man meinen Namen nicht auf der Liste. Ich probiere es mit Kerstin? Nein… Keke? …. Nö, ist nicht… Nyst?…. Nix! Ich bin entsetzt… keine Brötchen? Und dann kommt mir eine Idee. Ich probiere es zaghaft mit: „Das Zebra“? Und zack, hat sie mich gefunden. Ich rolle von dannen, das Frühstück ist gerettet! 

Auf dem Platz beginnt langsam ein reges Treiben. Eine leichte Anspannung ist zu spüren. Die ersten Gespanne rollen durch das Tor. Das Orgateam will rechtzeitig auf dem Messeparkplatz sein, der als Treffpunkt für die Demo dient. Auch ich mache das Zebra langsam ausgehfein und abfahrbereit. Die Fahne wird montiert, die Demoschilder in die Fenster geklebt. Diesmal will ich nicht ganz hinten mitfahren, wie in Berlin. 

Demo Schilder

Am Treffpunkt vor der Demo wimmelt es von Fahrzeugen

Sammelplatz vor der Abfahrt zur Demo

Tja, dumm gelaufen. Als ich am Parkplatz ankomme, ist dieser schon fast komplett gefüllt. Das Zebra darf sich in die drittletzte Reihe einfädeln. Motor aus, jetzt heißt es warten. Das kennen wir ja schon von Berlin. Es könnte langweilig werden, denn die Demo startet erst in zwei Stunden. Bis sich dann alle 1.200 Teilnehmer in Bewegung setzen, kann es noch länger dauern. 

Diesmal ist aber alles anders. Zu uns kommt ein Besucher nach dem anderen und sagt „Hallo!“ Alle wollen mal kurz das Zebra kennenlernen. Ich bin fast schon ein wenig eifersüchtig. Aber immerhin bekomme ich wieder nen Kaffee gebracht, diesmal sogar mit leckeren Keksen. Freunde meiner Jugendfreundin Anja aus Hamburg lassen Grüße von ihr ausrichten. Wie klein die Welt doch ist! Ein Paar aus meiner RTW Camper Gruppe kommt vorbei, sie fahren auch mit. Nur die ganzen YouTuber kommen nicht bis ganz hinten. Menno, so wird das aber auch nix mit dem Berühmtwerden des Zebras! 

Reger Funkverkehr auf Kanal 17 

Ich verfolge nebenbei den Funkverkehr auf Kanal 17 unserer CB Talk App. Als wieder einmal einer dieser „Helden“ extrem laut über den Lautsprecher brüllt, schütte ich mir vor Schreck den halben Becher Kaffee über den Latz. Der schöne neue Hoodie! Die Bitte, sein Mikro doch über den Knopf unten rechts auf „AUTO“ zu stellen, überhört er geflissentlich. Und das übrigens die komplette Demo über. Aber so bleibe ich wenigstens auch auf der Fahrt durch die Schrecksekunden ständig wach, weil seine männlich tiefe Stimme fast meine neuen Lautsprecher sprengt. Egal, irgendwas ist ja immer – so sind Camper!

Die Demo selbst läuft relativ reibungslos und unspektakulär, finde ich. Ein paar zu große Abstände, ein paar Stinkefinger, ein paar Pöbeleien und Drohungen anderer Verkehrsteilnehmer, die nicht so können, wie sie gern wollen Also nichts, was man aus Berlin nicht schon kennt. Überlebt haben wir es in Berlin alle, auch wenn es manch einer hier auf dieser Demo nicht glauben möchte und jede negative Reaktion der anderen Autofahrer oder Fußgänger über Funk durchgeben muss. Gut, ist ja auch aufregend alles. Ich muss Pipi! 

Die CB Talk Funk App. Ein nützliches Tool für die Demo.

Über Funk höre ich, dass in Wiesbaden alles besser sei als in Mainz. Die Polizei, die Reaktion der Leute auf unseren Korso, eben alles. Ok, denke ich mir, schlecht finde ich die Fahrt durch Mainz nun auch nicht, wenn nur die Blase nicht so drücken würde. 

Und dann kommt sie wieder, die Stimme… mit voller Wucht durch meine Lautsprecher. Mein Körper zuckt, die Blase auch… und zack ist n Tröpfchen in der Hose. Wie gut, dass ich ne Slip Einlage… Lassen wir das, jetzt wird es zu intim! 

Negative Kommentare auf der Demo ziehen die gute Stimmung runter

Der Funkverkehr bleibt rege, Monsieur „Brüllaffe“ bleibt laut, egal wie oft er darauf hingewiesen wird, sein Mikro auf Auto zu stellen. Dieser Ignorant! Gejammert wird über Funk auch weiterhin. 

Vier Wohnmobile fahren aufeinander auf. Wie ärgerlich! Hoffentlich ist niemand verletzt. Wir fahren daran vorbei. Zwischendurch höre ich so etwas wie Eierlikör und bekomme leichten Milcheinschuss… ach nee, Speichelfluss. 

Einer der Streckenposten, die als Ordner an einer Kreuzung abgestellt sind, funkt etwas wie, er würde gerade bedroht werden. Er bekommt den Tipp, die Polizei zu rufen. Andere erzählten von Dränglern und wüsten Beschimpfungen. Mir wird das zu viel negative Energie. 

Das Zebra in der Demo

Ich nehme mir ein Herz und versuche, mit einem ruhigen Funkspruch darauf einzuwirken, dass wir doch jetzt einfach mal die negativen Kommentare NICHT alle im Detail über Funk weiter geben, sondern uns besser auf die schöne Zeit der Demo konzentrieren und uns an dem gemeinsamen Erlebnis erfreuen mögen. 

Bisher haben alle Teilnehmer unserer Demos diverse Morddrohungen überlebt. Das wird auch heute der Fall sein. Für Handgreiflichkeiten oder ähnliches wäre eh die Polizei der bessere und effektivere Ansprechpartner, als der Funk unseres vorbei rauschenden Korsos. Oha, hätte ich gewusst, was mein Funkspruch noch nach sich ziehen würde… aber dazu später! 

Irgendwann ist unsere Demo dann auch vorbei. Wie genau der Korso ablief, kann man in den teils sehr emotionalen Vlogs der diversen YouTuber sehen (Liste von Links siehe unten). Da muss ich nicht auch noch mit einer weiteren Beschreibung kommen. Bewegte Bilder sprechen in diesem Fall ohnehin mehr als geschriebene Worte. Es sind wieder richtig geile Videos und tolle Fotos entstanden. 

Nach der Demo ne Wurst vom Grill

Mit letzter Muskelkraft meiner Harnblase parke ich das Zebra auf seinem Stellplatz und stürze mich auf mein WC. Das war wirklich knapp! Sichtlich erleichtert steige ich aus. Die Welt ist wieder in Ordnung. 

Strom ran, Gashähne auf, Elektrorollstuhl vom Ladegerät, der Abend möge uns wieder nette Gespräche schenken. Ilka bringt mir vom Einkaufen nen Sixpack Vittel vorbei und ich kaufe ihr noch ne Campen_mit_Abstand Mütze ab – dabei bin ich doch gar kein Mützentyp. Der Zehner schmerzt, aber das Geld wird für einen guten Zweck gespendet.

Von nebenan kommt ne liebe Einladung zum Grillwürstchen essen. Die nehme ich mit Freuden an. Die beiden sind nämlich echt nett und nach hinten zu meiner anderen Gruppe von gestern schaffe ich es über den Rasen leider mit dem Rollstuhl nicht noch einmal. Also schicke ich ne WhatsApp. 

Ich bekomme was auf die Mütze!

Und dann kommt Carsten (Name von der Autorin geändert) Carsten möchte mich gerne persönlich sprechen, denn es liegt ihm wirklich etwas auf dem Herzen. Ich schaue ihn erwartungsvoll an und lasse ihn reden. Er wäre auf der Demo als Streckenposten, also als Ordner, aufgestellt worden und hat um sein Leben fürchten müssen. Diese Zeit als Ordner wäre ganz furchtbar für ihn gewesen. Ooookay… was hab ich damit zu tun? 

Da wollte ihm ein Typ an den Kragen, so dass er wirklich Angst um seine körperliche Unversehrtheit hatte. Er hätte ihn sogar fotografiert und wollte das Bild ins Netz stellen. Er hätte über Funk bei uns um Hilfe gerufen und ich hätte nichts Besseres zu sagen gehabt, als dass wir doch alle mal Ruhe bewahren sollen und die negativen Dinge über Funk einstellen sollten. Diese Aussage von mir hätte Carsten ins Mark getroffen und sich mehr Empathie gewünscht. 

Uff… wer mich gut kennt, ahnt vielleicht, wie ich normalerweise jetzt über Carsten schreiben würde. Die spitze, sarkastisch Feder lasse ich dieses Mal jedoch ausnahmsweise stecken. Wir gehören alle zu einer Gruppe und halten zusammen. Und dennoch: 

Nun, Carsten, falls du diese Geschichte hier liest… ich bin ein sehr empathischer Mensch. Und wenn jemand Hilfe benötigt, bin ich die Letzte, die darüber hinweg gehen würde. Ich brauche selber oft genug Hilfe. Meine beruhigend gemeinten Worte waren auch nicht auf dich bezogen. Zumal weder ich, noch andere deinen expliziten Hilferuf auf der Demo über Funk gehört haben. 

Und selbst wenn, was hätten wir tun können? Zum einen waren wir ca. 1.200 Fahrzeuge, die nacheinander mit ca. 50 km/h an dir vorbei gerauscht sein müssen und zwar mit konzentriertem Blick nach vorn, um nicht auf den Vordermann aufzufahren. Es konnte kaum jemand sehen, was sich am Straßenrand bzw. an den Kreuzungen bei den Streckenposten tat. Und was hätten wir tun sollen? Die Demo abbrechen, anhalten, herausfinden an welcher Stelle du stehst, umdrehen, um dir zur Hilfe zu eilen?  Das wäre rein logistisch schon gar nicht möglich gewesen. 

Du hattest ein Handy in der Hand. Davon gehe ich zumindest aus, weil du die Funk App genutzt hast. Der andere hat also Fotos von dir gemacht, die er ins Netz stellen wollte. Ich persönlich hätte ihn dabei gefilmt, wenn er mich körperlich bedroht hätte. Oder aber zumindest sofort die Polizei gerufen! Die Polizei nämlich wäre der richtige Ansprechpartner gewesen, der sogar schnell vor Ort sein konnte, mit seinen Beamten auf Motorrädern, die ständig hin und her fuhren.

Es tut mir wirklich leid, dass du unter der Situation, in der du warst, so gelitten hast. Ich kenne andere Männer, die das alles locker weggesteckt hätten. Vielleicht bist du zarter besaitet, das verurteile ich nicht. Aber ich bin wirklich nicht dafür verantwortlich, dass dir niemand zur Hilfe gekommen ist. 

Mein Tipp fürs nächste Mal: Wenn man sich auf einer Demo in einer Notsituation befindet und unsicher ist, was zu tun ist. Einmal im Funk deutlich um Funkstille bitten. Sein Anliegen klar und deutlich formulieren, damit nichts untergeht. Abwarten, ob und welche Tipps kommen und entsprechend handeln. Oder gleich den gesunden Menschenverstand einsetzen und sofort die Polizei rufen. Das geht schneller und rettet im Falle eines Falles Leben.  

Ich hoffe, du hast das negative Erlebnis gut verarbeitet und bist mir nicht mehr böse. Verletzen oder maßregeln wollte ich dich in keinem Fall. Ich wünsche dir auf jeden Fall von Herzen alles Gute und dass dieses Erlebnis dich nicht nachhaltig prägt. 

Gemeinsame Stunden nach der Demo, aber mit Abstand

Carsten zieht von dannen. Die Würstchen auf dem Grill schreien danach, verspeist zu werden. Wir essen „von der Hand“, mit Abstand natürlich! Tische auspacken ist ja nicht genehmigt. Wir sind ja schließlich nicht touristisch zum Campen hier, sondern lediglich zur Widerherstellung der Fahrtüchtigkeit wegen der Demo. Da sind Tische verboten. Genauso wie Markisen. Denn das wäre dann ja campen, verstehste? 

Die Stadtpolizei auf Fahrrädern kontrolliert das auch. Allerdings schaffen sie es gar nicht bis auf den Platz, denn vorne am Eingang steht der große beeindruckende 18 Tonner Camper. Den finden die Polizisten so faszinierend, dass sie dort einfach kurz vor Feierabend hängen bleiben, sich ins Gespräch verwickeln lassen und dann irgendwann wieder abschwirren. 

Die Familie von „zwischen nebenan“ gesellen sich auch zu uns. Mit Abstand natürlich! Und mit Tisch. Auf dem Tisch steht plötzlich Wein, Bier und leckere Honigmelone mit Schinken. So mag ich das. Wobei ich ja keinen Alkohol trinke. Außer Eierlikör. Der kommt dann auch… in der Hand von Angela – selbstgemacht im Thermomix, in ihrem Wohnwagen, hier auf dem Platz. So sind Camper!

Der 18 Tonner Camper. Ein Highlight

Wir lachen, schnacken und haben Spaß. Und dann outet sich Rico. Also der, von „zwischen nebenan“. Er war die laute Stimme im Funk. Er hätte einfach nicht verstanden, was er in der App einstellen soll und eigentlich auch erst ganz spät mitbekommen, dass er so laut wäre. Na gut, Rico ist soooo nett und seine Honigmelone sooo lecker, dem kann ich dann auch irgendwie nicht böse sein. 

Dank Eierlikör, oder wie wir Norddeutschen sagen, Klötenköm, habe ich bald die nötige Bettschwere, krabbele in mein Zebra und schlafe selig ein. 

Heimfahrt mit Kuss vom LKW

WoMo Lunch im Gasthaus Kühkopf

Auf der Rückfahrt am Sonntag mache ich noch Halt in Koblenz, um eine alte Freundin zu treffen. Wir sind Mittags zu einem WoMo Lunch am Forsthaus Kühkopf verabredet. Das Essen ist lecker, aber den Rest des Tages streiche ich lieber. Die plötzlich so hohen Temperaturen schaffen mich, mein Herz macht Mucken, ich bekomme kaum Luft und habe extrem viel Wasser im Körper eingelagert. Ich überlege, ob ich nen Notarzt rufe, lege mich dann aber lieber ins Zebra und schlafe ne Runde. Als es gegen Abend kühler wird, geht’s mir wieder etwas besser. So schnell, wie ich dachte, stirbt es sich dann wohl doch nicht. 

Über Attendorn und Pattensen, wo ich weitere Freunde besuche, geht es dann am Mittwoch wieder Richtung Heimat. Auf der Fahrt hab ich gelernt, dass das Zebra 2,35 m breit ist, und nicht wie im Schein steht, nur 2,09m. Die Spiegel zählen extra! In einer Baustelle darf ich also nicht mehr die linke Spur benutzen. Schade eigentlich.

Gelernt habe ich auch, dass wenn ein LKW ein Zebra küsst… oder anders herum, jeder der Unfallgegner Fahrerflucht begeht, wenn er im Stau einfach weiter fährt. Und, dass es 20 Euro kostet, wenn man als Zebra mit Überbreite in einer Baustelle auf der linken Spur galoppiert. 

Das Zebra hat nur kleine Kratzer am rechten Ohr (Spiegel). Und ich ärgere mich etwas über meine Ehrlichkeit, bei der nächsten Möglichkeit rechts raus gefahren zu sein und die Polizei angerufen zu haben. Der LKW Fahrer, der den Schlenker nach links machte, kommt wahrscheinlich ungeschoren davon. 

Aber ich wäre nicht Keke, wenn nicht am Ende doch alles gut wird. Die Polizisten dürfen kein Bargeld nehmen und haben kein Kartenlesegerät dabei. Somit komme ich um die Strafe herum. Ich bin ein Glückskind! 

Hier gehts zu den Kanälen der YouTuber und ihren Vlogs

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