Flugsimulator Hamburg

I believe I can fly – YourCockpit macht’s möglich

Ein Erfahrungsbericht

Als mir mein Fluginstructor, gekleidet in schwarzer Hose und einem weißen Pilotenhemd, die Tür vom Flugsimulator öffnet, lässt sein umwerfendes Lächeln mein Herz noch ein paar Takte schneller schlagen. Er trägt vier Streifen auf den Schulterklappen seines Hemds. Das bedeutet, er ist Kapitän! Ich stehe ja total auf Männer in Uniformen, die etwas zu sagen haben. Eine leichte verlegene Röte steigt mir ins Gesicht. 

Die Begrüßung ist herzlich familiär. Die junge Dame am Counter verabschiedet gerade die vor Glück strahlenden Fluggäste vom vorangegangenen Flug. Die Begeisterung ist ihnen noch ins Gesicht geschrieben. Mein uniformierter Instructor und ich passieren den Counter und betreten direkt die Maschine. 

Der Flugsimulator ist keine Nachbildung sondern ein ausrangiertes Cockpit 

Ich bin irritiert, hier im Flugsimulator sieht alles unglaublich realistisch aus. Auch die Akustik ähnelt dem Surren in einem echten Flugzeug beim Boarding. Mein „Handgepäck“ verstaue ich in dem Fach über den Sitzen der Passagiere. Es macht leise Klack, als mein Instructor das Fach schließt, dann geht es direkt ins Cockpit. 

Es ist eng hier. Mit großen Augen blicke ich auf die vielen beleuchteten Schalter, Knöpfe und Hebel. Florian, so der wohlklingende Name meines Fluglehrers, weist mir den linken Platz im Cockpit zu. Ich schaue ihn ungläubig an. „Das ist doch der Platz wo der Flugkapitän sitzt oder?“ Er antwortet grinsend: „Und genau der bist du heute!“

Ich schlucke trocken und nehme Platz. Florian setzt sich rechts neben mich und schiebt souverän meinen Sitz in die richtige Position. Kurz denke ich über Flucht nach, dann siegt der Wille. „Es kann ja nichts passieren, wir bleiben doch die ganze Zeit am Boden“, kommentiert Florian beruhigend meinen verängstigten Blick. 

Ach ja, das hatte ich inzwischen komplett vergessen. Manchmal verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie. Besonders wenn man sich an einem Ort befindet, welcher der Realität extrem nahe kommt. Und real ist dieser Flugsimulator definitiv.

Vor dem Start, steht eine detaillierte Einführung auf dem Plan

Florian beginnt mit der Einführung und erklärt mir den Ablauf. Er weiß genau, welcher Knopf welche Bedeutung hat und welcher Hebel welche Funktion besitzt. Florian ist nämlich auch im echten Leben Pilot und fast täglich in der Luft. Gut, das beruhigt mich. Während er mit seiner Erklärung bereits fünf Knöpfe und zwei Hebel weiter ist, bleiben mein Gehirn sowie mein Blick immer noch an den ersten drei größeren Tasten über mir hängen – die Feuerlöscher! Over and out!

Mein Instructor führt mich sanft aber bestimmt wieder an den Ort des Geschehens zurück. Auf meinen verzweifelten Einwand, dass ich mir das nicht alles auf Anhieb merken könnte, beschwichtigt er mich: „Du wirst dir das auch nicht alles merken müssen, ich bin ja auch noch als Co-Pilot dabei. Ich erkläre dir alles und weise dann jeweils auf die wichtigsten Funktionen hin, die du behalten solltest, ok?“ Roger! Das dürfte hin hauen. 

Das erste Triebwerk wird gestartet – Oh Gott, es geht los!

Die Einweisung von Florian war top. Ich habe mir das Gelernte eingeprägt und vor dem Start noch einmal brav wiederholt. Außerdem haben wir die Checkliste vor dem Start abgearbeitet und Florian hat das Navigationssystem programmiert. Es geht von Hamburg nach Ibiza. Jetzt fühle ich mich sicher und bin bereit, in die Luft zu gehen. 

Die Maschine wird von einem Flugzeugschlepper langsam vom Gate rückwärts auf den Rollweg geschoben. Pushback nennt man das im Fachjargon, denn die meisten großen Flugzeuge können oder dürfen nicht aus eigener Kraft rückwärts fahren. Als der A-320 sich im Schritttempo in Bewegung setzt, zucke ich kurz zusammen. Auch das fühlt sich durch den Blick aus dem Cockpitfenster und die dort laufenden Animationen unglaublich realistisch an. 

Während des Pushbacks darf ich das rechte Triebwerk starten. Ein bekannter Sound ertönt, wie im richtigen Flieger! Nachdem das rechte Triebwerk hochgefahren ist, folgt die Zündung des linken Triebwerks. Auf den Instrumenten überprüfen wir den Ablauf und noch einige andere Funktionen. 

Mein Instructor gibt mit den Schubhebeln etwas Gas und mir die Anweisung, das Flugzeug mittig auf der gelben Linie zur Startbahn zu lenken. Ich greife das kleine halbrunde Rad ganz außen links und navigiere den Airbus konzentriert nach Anweisung. Kurz vor der Startbahn wird noch einmal gehalten – ich trete mit beiden Füßen ein wenig zu fest auf die Bremsen, so dass die Nase des Fliegers leicht nach unten geht. Ups, das war wohl zu grob, armes Flugzeug! Unser Blick geht nach rechts, um sicher zu stellen, dass auch kein anderes Flugzeug in die Quere kommt. Alles ist frei, wir rollen weiter. 

Wir heben ab, als wären wir in einem echten Flieger

Auf der Startbahn angekommen, wird erneut gehalten. Ich wiederhole noch einmal genau, was ich während des Starts zu tun habe. Dann kommt das Kommando „Take off“ von meinem Instructor, er löst die Handbremse. Ich lege die beiden dicken Hebel rechts von mir vom Leerlauf auf vollen Schub nach vorne. Die Turbinen rauschen. Der A-320 setzt sich erst behäbig in Bewegung und beschleunigt dann mit einem satten Sound immer stärker. Gelenkt wird nun mit meinen beiden Füßen. 

Mit unserem Startgewicht von 55 Tonnen wollen wir bei einer Geschwindigkeit von 130 Knoten abheben. Die Geschwindigkeit sagt mir mein Co-Pilot an und ich ziehe den Steuerknüppel beherzt nach hinten. Der A-320 hebt ganz sanft ab! Puh, ist das aufregend, mein Herz schlägt mir bis zum Hals, mein Mund ist trocken. Ich habe komplett ausgeblendet, dass wir ja „nur“ in einem Simulator sitzen. 

Mein Blick ist konzentriert auf die Instrumente gerichtet. Mein Co-Pilot drückt irgendwelche Knöpfe, fährt das Fahrwerk ein und hat auch mich genau im Blick. Jetzt bloß nichts falsch machen! Ich soll den Flieger auf 15 Grad halten, war die Ansage. Das klappt. Auf einer Höhe von 1500 Fuß nehme ich Schub raus. Ein prägender Moment für mich, denn das war der Zeitpunkt, der mir als Passagier immer recht viel Angst machte. Und zwar, weil ich nicht verstand, warum die Maschine nun plötzlich ruhiger und langsamer wird. Ich dachte immer, wir stürzen ab oder irgendetwas stimmt nicht. Cool, wieder was gelernt und ein ungutes Gefühl weniger, wenn ich das nächste Mal in einen Flieger steige! 

Nun wage ich auch einmal einen Blick aus dem Cockpitfenster. Unter mir die immer kleiner werdenden Gebäude, Felder, Wiesen und Wälder. Florian erklärt mir, dass die Animation, die da unten abläuft von Google Maps übernommen wurde – also auch realistisch ist. Irre, ich habe einen A-320 gestartet und bin nun in der Luft! Auf 10.000 ft (Fuss) angekommen, darf ich dem Servicepersonal über einen Knopf die Erlaubnis geben, mit dem Service zu beginnen. Ein anderer Knopf schaltet die Anschnallzeichen aus. Wir schalten den Autopiloten ein. Ich atme durch – jetzt eine rauchen, das wär’s! 

Der Autopilot übernimmt und wir können plaudern

Während der Autopilot vom Flugsimulator die Reise nach Ibiza fortsetzt, können Florian und ich uns zusammen die Füße vertreten. Wir gehen vor die Tür, um eine zu rauchen und etwas zu trinken. In einem echten Flieger ist es natürlich nicht üblich dass Pilot und Co-Pilot mal eben vor die Tür gehen, abgesehen von den eisigen Temperaturen, die auf 15.000 Fuß herrschen. 

Ich habe allerhand Fragen, die Florian mir seelenruhig und mit einer Engelsgeduld beantwortet. Wahrscheinlich hat er all diese schon bis zum Erbrechen gehört und beantwortet. Und dennoch ist er mit Feuereifer dabei. Man merkt, er brennt regelrecht fürs Fliegen! 

Apropos brennen: „Was wäre denn, wenn zum Beispiel ein Triebwerk Feuer fängt? Stürzen wir dann ab?“ frage ich ihn, als wir zurück im Cockpit sind. „Nein“, sagt er, „wir haben doch die Feuerlöscher an Bord“ und grinst breit. Ich blicke instinktiv zu den drei größeren Tasten schräg über mir und nicke nachdenklich. In der Realität möchte ich einen Triebwerksbrand nicht erleben… aber hier im Simulator?  

Ich zögere kurz: „Können wir das nicht vielleicht mal durchspielen?“ „Klar“, antwortet mein Instructor amüsiert und nimmt sein iPad zur Hand. Kurz darauf ertönt ein ohrenbetäubender Alarmton, überall blinkt es. Ich bin zu Tode erschrocken.

Ein Triebwerk brennt – Nun heißt es Nerven behalten

Florian gibt knallharte Anweisungen, ich führe aus. Größtenteils übernimmt er jedoch die Hauptaufgaben, denn nun muss alles recht zügig gehen. Als ich das Kommando erhalte, die Feuerlöscher zu bedienen, bekomme ich vor lauter Aufregung die Abdeckungen erst einmal nicht auf. Dann ist die Lage wieder unter Kontrolle, wir fliegen mit einem Triebwerk weiter, das zweite steht still. 

„Jetzt kommen wir aber nicht mehr nach Ibiza“, bedauert mein Co-Pilot grinsend. Wir versuchen, das ausgefallene Triebwerk wieder zu starten, was auch gelingt, und steuern den nächsten größeren Flughafen an – Zürich. 

Irgendwie war alles gar nicht so spektakulär, wie ich befürchtet habe. Mein Instructor hat alle blau leuchtenden Signale bzw. Problemmeldungen in einem bestimmten System nach und nach abgearbeitet, und dann war wieder Ruhe im Cockpit. Gut, in der Realität hätte es uns sicher ordentlich durchgeschüttelt und ins Schwitzen gebracht, aber hier im Simulator war die Notsituation auch ohne großes Rappeln im Karton schnell im Griff. 

Es ist gut zu wissen, wie cool und systematisch so ein Problem von den Piloten und der entsprechenden Technik bewältigt werden können. Mir erscheint das Fliegen jetzt immer sicherer. 

Flughafen in Sicht – Punktlandung in Zürich

Für die Landung erhalte ich neue Anweisungen. Normalerweise könnte der Autopilot die Landung durchführen, aber das wäre ja zu langweilig. Also bin ich wieder gefragt – ich hab die Kiste in die Luft gebracht, ich darf sie nun auch sicher auf den Boden zurück bringen. 

Gesagt, getan! Die Geschwindigkeit und Flughöhe werden für den Landeanflug immer wieder justiert. Auf 10.000 Fuß erinnere ich mich, die Anschnallzeichen für die Passagiere wieder anzustellen und finde auch tatsächlich den richtigen Knopf nach kurzem Suchen. 

Co-Pilot Florian schaltet nun den Autopiloten wieder aus. „You have control“! Ich antworte ihm knapp: „I have control“ und übernehme das Lenken mit dem Steuerknüppel. Beim Sinkflug kommen die Speedbrakes auf den Tragflächen zum Einsatz. Während ich den Blick starr auf die Landebahn lenke, drückt Florian noch weitere Knöpfe. Ich bin jedoch zu angespannt, um wahrzunehmen oder zu hinterfragen, was das denn alles sei. Nur an irgendwelche „Flaps“ die ich dann irgendwann bewegen musste, kann ich mich noch erinnern. 

Hochkonzentriert lenke ich den Airbus mittig Richtung Landebahn und orientiere mich an einem roten Licht, das auch irgendwie weiß werden soll. Den Sinn bekomme ich nicht ganz auf die Reihe, aber es funktioniert alles. Kurz vor der Landung passiert mir ein kleiner Schlenker dann doch. „Nicht so doll, nicht so doll, schön den Knüppel schütteln“, frotzelt mein Instructor. Ich muss lachen. Dann ertönt eine strenge männliche Stimme aus dem Lautsprecher. Die Stimme sagt in kurzen Abständen die Höhe an. Ich zucke bei der ersten Durchsage unwillkürlich zusammen, und es entfährt mir ein kurzer erschrockener Schrei. „Wuaaaaaah….“ Darauf war ich nicht vorbereitet. Florian beruhigt mich. Die Stimme zählt weiter runter „50 – 40 – 30 – 20… RETARD… RETARD!!!

Wir haben aufgesetzt und nun haue ich die Schubumkehr rein. Die mittleren Hebel ganz zurückziehen, hieß es. Ich ziehe und der Flieger bremst ab. Kurz darauf drücke ich mit beiden Füßen die Bremse durch. Aber auch hier heißt es wieder vom Platz rechts neben mir: „nicht mehr Bremsen, wir wollen ja noch weiter rollen.“

Puh, ich hab das Flugzeug tatsächlich gelandet. Nun tuckern wir langsam zum Gate, stoppen und schalten Triebwerke und Co ab. Ich blicke meinen Instructor erwartungsvoll an. „Gut gemacht. Hat alles gepasst. Das wäre real definitiv gut gegangen“, grinst er und wir klatschen uns ab. Ich bin erleichtert und glücklich zugleich.

Ein unvergessliches Erlebnis das nach Wiederholung schreit

Es hat mir unheimlichen Spaß bereitet, mich im Simulator auszuprobieren. Sicher gehört zum Fliegen eines realen Passagierflugzeugs noch eine ganze Menge mehr. Überschätzen sollte man sich keineswegs. Niemand wird nach einem Flug im Simulator selber wirklich fliegen können. Aber dieses Erlebnis ist eine extrem spannende Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann. Und vielleicht trägt es wie bei mir dazu bei, den großen Respekt oder auch Angst vor dem Fliegen zu verlieren. Sobald man verstanden und erlebt hat, was genau im Cockpit abläuft, ist die Unsicherheit weg. 

Wenn ich also demnächst wieder als Passagier in einem echten Flugzeug sitze, werde ich mich nicht mehr verkrampft im Sitz festklammern, sondern schmunzeln und mich an meine Zeit im Simulator erinnern. Denn jetzt weiß ich genau welches Geräusch und welche Bewegung welchem Ablauf zuzuordnen ist. Und dann kann ich mit meinem Wissen vielleicht ängstliche Fluggäste beruhigen – und vielleicht auch ein wenig angeben!

Hier kannst auch du im Flugsimulator fliegen.