Demo in Berlin

Mit dem Zebra auf der Demo der Initiative „Campen mit Abstand“ in Berlin

So, nachdem ich meine Facebookpinnwand das ganze Wochenende mit Fotos, Videos und Medienberichten über meine erste Demo zugeballert habe, möchte ich euch nun hier auch noch mal erzählen, wie es so ist, an einem Korso mit 1.200 Fahrzeugen teilzunehmen.

Ansage der Organisatoren war: Warnblinker an, Abstände so gering wie möglich halten und keine fremden PKW, LKW, Fahrräder, Fußgänger, Kinderwagen oder ähnliches rein zu lassen. Rote Ampeln, Blitzer und Kreuzungen werden überfahren. Ganz hart dran bleiben, war die Devise – die Polizei sperrte ab und war unser Freund.

Nun denn… erst mal war stundenlanges Warten angesagt.Um 12 Uhr war Treffen auf dem Parkplatz vom Olympischen Platz. Bis alle Teilnehmer eintrudelten, dauerte es.

Auch ich war etwas spät dran, denn ich wollte das Zebra nicht mit fast leerem Magen durch die Demo reiten. Der Hauptparkplatz war voll, als ich eintraf. Die Strecke zum Treffpunkt übrigens auch. Ich brauchte für knapp 8 Km fast ne Stunde.

Ich wurde auf einen Nebenparkplatz geleitet, auf dem wir dann in Zweierreihen auf den großen Start warteten, Motor aus, Funk App an. Auf Kanal 17 wurde fröhlich geplaudert, rumgealbert und immer mal wieder auf die Funkdisziplin hingewiesen. Häh? Funkdisziplin? Ich war froh, dass ich die App bedienen konnte und das Teil trotz Apple Car Play bei mir lief. Gut, ich musste auf Musik während der Fahrt verzichten, aber man kann eben nicht alles haben. Die Best of von Dean Martin konnte ich auch später noch weiter hören.

Campen ist die sicherste Art zu Reisen

Demo Banner von #campen-mit-abstand

Apropos haben… ich hatte dann echt Kaffeedurst und äußerte diesen einfach ohne nachzudenken bei dem vorbei schlendernden Wohnmobilnachbarn mit Kaffeebecher in der Hand. „Willste auch einen?“ fragt er grinsend? Ich nicke begeistert, drücke ihm meinen leeren Becher in die Hand und bekam 2 Minuten später nen frischen heißen Kaffee. DAS SIND CAMPER!

Irgendwann ging es dann los. Motoren wurden gestartet, die Härchen auf den Armen richteten sich auf, die ersten Fahrzeuge setzten sich in Bewegung. Dieselabgase zogen durch das immer noch offene Fenster in die Nase. Über Funk überschlugen sich die Stimmen. „Abstände einhalten! Niemanden rein lassen! Mensch, so wird das doch nichts“, hieß es immer wieder. Dann hörte ich, dass Stinkefinger gezeigt wurden und wüste Schimpfworte, die ich hier nicht widerholen möchte, unserem Korso entgegengerufen wurden.

Wir ganz hinten standen immer noch, die ersten Fahrer der DEMO passierten bereits die Siegessäule. Der erste Adrenalinschub sank wieder. Bis es dann auch für uns los ging. Erst zögerlich, dann hieß es „Gib Schub Rakete“, denn sonst bist du diejenige, die den ersten PKW dazwischen lässt, und dann gibt’s nen fetten Anschiss von der schrillen Stimme aus dem Funkgerät! Nee, nee, das Zebra und ich schaffen das! Ich schnalzte auffordernd und das Zebra trabte los….Die Abstände einzuhalten, war übrigens gar nicht soooo einfach.

Da ich mit dem Zebra relativ weit hinten bei der Demo mitgefahren bin, war das alles schon etwas ruckelig im Korso. Mal schoss mein Vordermann mit 60 km/h durch die Stadt, so dass ich meinem Zebra richtig die Sporen geben musste, um überhaupt dran bleiben zu können, dann musste ich es wieder ordentlich zügeln. Ich will mich nicht beschweren, denn auf diesem Ritt konnte ich mal wieder mein fahrerisches Können unter Beweis stellen – bei mir ist nämlich nicht EIN EINZIGER zwischen dem Heck meines Vordermanns und der Nase des Zebras rein gekommen, und darauf bin ich scheiß stolz!

Über Funk waren wir alle miteinander verbunden

Aber es war schon sehr anspruchsvoll zu fahren. Zumal der Funk, das Lenkrad, die Kamera vom Handy, das Gaspedal, die Bremse, die Hupe und der linken Winkearm gleichzeitig bedient werden wollten. Ach ja, und rauchen musste ich ja auch immer mal wieder eine, war schließlich alles so aufregend! Ich hatte eigentlich vor, mir während der Fahrt noch die Nägel zu lackieren, das ging dann aber nicht, weil ich den Nagellack eh Zuhause vergessen hatte.

Dem wild gestikulierenden dunkelhaarigen, glutäugigen Mitbürger mit dem etwas dunkler pigmentierten Teint, der mir von links noch diverse Schimpfworte aus seinem aufgemotzten weißen Audi hinterher pöbelte, weil er einfach „nicht rein kam“ schenkte ich ein charmantes Lächeln und einen lasziv herübergeworfenen Kussmund der meinen frisch gelackten Lippen entfuhr. Nun, das hat ihn auch nicht besänftigen können, wie ich von meinen Nachfahrern über Funk erfahren habe.

Das Zebra auf der Demo in Berlin

Das Zebra fühlte sich Samstag dank meiner sehr ruppigen Fahrweise auf der Demo garantiert an seinen ersten Job als RTW erinnert – das kannte es noch. Zumindest schnaubte es willig und machte jede Aktion brav mit. Also habe ich zwischendurch seine mit Strass besetzen Zügel … äh, sein Lenkrad immer mal wieder lobend getätschelt, es ist ja schließlich auch nicht mehr das Jüngste.

Andere Mitfahrer äußerten über Funk ihre Befürchtungen, dass die Kupplung wohl demnächst den Geist aufgeben könne… Das wäre sicher das kleinere Übel gewesen, denn wie ich hörte, wurde einer unserer Teilnehmer von einem drängelnden Taxifahrer geschädigt. Da ist nun nicht nur der Lack ab am WoMo sondern auch der Spiegel… zudem hat er vom Taxifahrer auch noch was auf die Mütze bzw. auf die Brille bekommen. Unlustig, wie ich persönlich finde!

Camper vor der Siegessäule
Fotocredit: Deborah Furin

Ich fand es aber gut, dass wir nicht, wie ursprünglich geplant, bis ins Regierungsviertel gefahren sind, sondern am Brandenburger Tor Kurzkehrt gemacht haben. Denn im Regierungsviertel trieben die Querdenker ihr Unwesen. Sicherheit ging den Organisatoren unserer Demo vor. Es waren ja bei vielen auch Kinder und Hunde mit an Bord.

Apropos jung… ich denke, der Durchschnitt unserer Teilnehmer war mittelalt, bzw. bereits in fortgeschrittenem Alter. Ich zähle mich mit meinen 54 Jahren dazu. Keiner von uns war es gewöhnt, in einem Fahrzeugkorso von mehr als 1000 Teilnehmern und aggressiven sowie genervten, außenstehenden Fahrzeugführern und Fußgängern zu fahren

Mit den geringen Abständen gab es immer mal wieder Probleme auf der Straße

Leider ist auch ein Gespann nicht ganz so flexibel, wie ein PS-starkes jüngeres Wohnmobil, was zügiges Anfahren oder abruptes Bremsen betrifft. Bei den Gespannen knackt dann auch manchmal die Auflaufbremse lautstark, und es fühlt sich an, als würde gleich das komplette Mobiliar auf der Rückbank des Zugfahrzeugs Platz nehmen wollen. Ich kenn das ja vom Pferdeanhänger fahren und konnte also gut verstehen, wenn es mit den Abständen nicht immer so klappte. Und schließlich waren wir nicht in einer Militärparade. Aber das sah der eine oder andere Berufskraftfahrer bzw. Bundeswehrheld unserer Gruppe wohl anders. Zumindest klang die schriftliche Manöverkritik eines Gruppenmitglieds hinterher leicht bis mittelschwer vorwurfsvoll.

Nun denn, ich war zufrieden mit dem Zebra und mir. Bei uns „kam keiner rein“! Und da wir beide sehr zufrieden waren, sind wir dann auch nicht mehr ganz bis zum Olympischen Platz gefahren, sondern sind kurz vorher ausgeschert, haben die Warnblinkanlage ausgeschaltet, wieder rote Ampeln und gültige Verkehrsregeln beachtet, haben freundlich anderen Verkehrsteilnehmern die Vorfahrt gelassen und sind im lockeren Trab zurück auf die Wiese vom Stellplatz Plötzensee geritten.

Und kaum hatte ich den Motor aus, kommt ne freundlich lächelnde Mitcamperin mit netten Worten und einem leckeren Käsekuchen auf nem Tablett auf mich zu, hält es mir unter die Nase und schenkt mir einfach so ein Stück. DAS SIND CAMPER!

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Das Zebra am Plötzensee